Die Pamir

Text und Musik: Lutz Hering
2017 jährt sich der Untergang der Pamir zum 60. Mal

Pamir, du warst einer der Flying P-Liner.
Sie legten dich in Hamburg auf bei Blohm und Voss zum Stapellauf.
Hundert Meter lang aus Stahl, dreißig Segel allemal,
du fuhrst Salpeter im Verkehr nach Valparaiso hin und her.

Refrain:
Pamir, du stolze Viermastbark, unvergessen schön und stark,
wer je dich unter Segeln sah, singt heute noch dein Gloria.

Im Dezember Fünfundzwanzig steht es schlecht um dich:
Ein Wintersturm vor England bläst hart dir ins Gesicht.
Drei Mann und beide Anker holt gierig sich die See.
Der Sturm raubt dreizehn Segel, wild toben Eis und Schnee.

Genau vier Jahre später, wieder im Kanal,
vor Folkestone auf der Reede setzt du das Notsignal.
Die Ankerketten brechen, fast schlägt es dich an Land.
Um dich noch freizukreuzen, braucht der Käpt’n jede Hand.

Die große Wirtschaftskrise zwingt dich ins Exil,
weiß-blau fährst du für Finnland, Australien wird dein Ziel.
Das Kap der Guten Hoffnung ist dir wie Kap Horn vertraut,
wie die Weizenfracht und Erze unter deiner Eisenhaut.

Im Krieg fällst du als Prise Neuseeland in die Hand.
Verschont von Japans Jägern wirst du Englands Unterpfand.
Fast abgewrackt, zurückgekauft im Verein mit der Passat,
als Segelschulschiff umgebaut: am Start zu neuer Fahrt!

Im September Siebenundfünfzig mit voller Gerstenfracht
auf Heimatkurs nach Hamburg hat dich „Carrie“ aufgebracht:
Ein Hurrikan des Schreckens auf torkeliger Bahn
verfolgt dich und die Mannschaft blind vor Zerstörungswahn.

Mit aller Segelfläche und voller Kraft voraus
flieht der Käpt’n vorm Verderben, doch er bringt dich nicht nach Haus.
Der Sturm zerreißt die Segel, peitscht Wogen übers Schiff,
mit Riesenprankenschlägen hat die See dich fest im Griff.

Was helfen Hilferufe zerstückelt vom Orkan,
was nützt des Käpt’ns Ruhe? Es kocht der Ozean!
Sechshundert Meter Länge mal zwanzig Meter hoch,
so rollen Wellenberge, du spürst der Tiefe Sog.

Die Brecher schlagen Löcher, rasieren Mast und Schot.
Taifun brüllt laut von Steuerbord und wirft dich aus dem Lot.
Die Bark holt weiter über, bald fünfundvierzig Grad,
dann volle Seitenlage: Pamir, dein Ende naht!

Den Untergang vor Augen: Es rette sich, wer kann!
Von fünfundachtzig Leuten bleiben später nur sechs Mann.
Der Käpt’n steht im Sinken noch auf der letzten Rah:
Er hätte nie verloren, was noch zu retten war!

Die Jahre sind vergangen, Erinnerung bleibt und lebt.
Das Seeamt hat gesprochen und mancher Makel klebt.
Lasst die Toten ruhn in Frieden! Was bleibt als Resümee?
Die Wahrheit, die ging unter und liegt begraben in der See.

Ja, die Lastensegler starben, und es sank manch tücht’ges Boot.
Gilt es, an Land zu bleiben oder Seefahrt, du bist Not?
Weh dir, Pamir, weh dir, Pamir, um dich wird es nicht still,
du hattest beste Kräfte, doch der Wind weht, wie er will.

Refrain:
Pamir, du stolze Viermastbark, unvergessen schön und stark,
wer je dich unter Segeln sah, singt heute noch dein Gloria.